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Kompositionen

Das Bild entsteht im Auge des Betrachters

Jeder fotografischen Aufnahme wohnt eine kompositorische Struktur inne. Es geht dabei um das Zusammenspiel zwischen Freiräumen, die das Auge bewegen, und Akzenten, die es ruhen lassen. Welche kulturellen Lesegewohnheiten und Gestaltungsmuster beim Digiscoping zu berücksichtigen sind, erklärt Dr. Jörg Kretzschmar.

  • © Dr. Jörg Kretzschmar
  • © Dr. Jörg Kretzschmar
  • © Dr. Jörg Kretzschmar
  • © Dr. Jörg Kretzschmar

Dr. Jörg Kretzschmar ist Biologe und kam durch seine Arbeit mit Digiscoping in Berührung. Er gilt als einer der profiliertesten Digiscoper im deutschsprachigen Raum, dessen Aufnahmen immer wieder für Aufsehen sorgen. Für seine Aufnahmen verwendet er ein STX 25-60x85 Teleskop mit TLS APO von SWAROVSKI OPTIK.

Die Bildgestaltung ist der Einrichtung eines Raumes nicht ganz unähnlich, denn auch hier gibt es unterschiedliche Vorlieben. Die einen mögen es eher puristisch und schlicht, die anderen bevorzugen opulente, vielschichtige (Bild-) Einrichtungen. Was auch immer wir bevorzugen, stets sollten wir auch ein Auge für die Bildkomposition haben.



Viele Sichtweisen, ein Ziel

Zu den althergebrachten Gestaltungsmustern zählen: das Elementargerüst, also die Teilung der Bildfläche entlang von Horizontale, Vertikale und Diagonale, der Goldene Schnitt, bei dem jeweils zwei harmonische Teilungslinien in horizontaler sowie vertikaler Ausrichtung und deren Kreuzungspunkte die Lage der bildwirksamen Motivakzente definieren, und das optische Dreieck, bei dem die Motivteile in einer freien Dreiecksform angeordnet werden, um den Blick im Bild zu halten.

Im eher zweidimensional wirkenden Digiscoping haben wir besonders häufig mit dem optischen Halt als kompositorischem Aspekt zu tun.



Jede Kultur sieht die Dinge anders

In der westlichen Kultur werden nicht nur Texte, sondern auch Bilder von links nach rechts gelesen. Mehr noch: Bilder werden wahrnehmungspsychologisch eher von links unten nach rechts oben ausgelesen.

Dies hat Folgen auf die Bildwirkung, weil wir mit unseren Aufnahmen eben mit dieser sublimen Blickführung oder gegen sie arbeiten. Wenn unser Auge aus dem Bild herausläuft, kentert unsere Bildkomposition. Wir haben dann den Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes verloren.



Erwartbar ist langweilig

Bildnerisch ist es ungleich einfacher, ein Gleichgewicht durch eine Symmetrienutzung (z. B. Spiegelbild im Wasser) zu schaffen. Leider führen solche Bildkompositionen schnell zur Langeweile, weil sie allzu sehr unseren Erwartungen entsprechen und keinen Neuigkeits- und Überraschungswert beinhalten.

Anders verhält es sich, wenn wir die Aufnahme asymmetrisch komponieren. Das Bild erhält sofort ein Spannungsmoment. Dem asymmetrisch angeordneten Motivakzent ist allerdings eine (ausgleichende) Fläche entgegenzustellen, um die Bildbalance zu wahren. Wie erwähnt kommt rein wahrnehmungspsychologisch betrachtet dem linken unteren Bildteil eine besondere Bedeutung zu. Mit einer Freifläche oder durch einen komplementären Akzent (als Farbe oder Objekt) wird ein Bild dort geankert oder eine Asymmetrie wieder in das optische Gleichgewicht gebracht.



Tipps

Wo sollen Raum und Akzente, die das Auge länger verweilen lassen, platziert werden? Ein Motiv im Bilderrahmen muss wie ein Zimmer eingerichtet werden.

Ist das Bild im Gleichgewicht oder kippt es zur Seite, weil Motivteile dominieren? Das optische Gleichgewicht kann etwa durch eine leicht veränderte Ausschnittswahl und den Einbezug der ankernden Fläche (links unten) wiederhergestellt werden.

Nutze ich die Dreiecksregel beim Digiscoping? Falls ja, wird das wandernde Auge durch eine Anordnung der bildtragenden Motivteile in einem Dreieck, dessen Form weitestgehend frei ist, im Bild gehalten.