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Blenden und Verschlusszeiten

Weniger ist oft mehr: Richtiges Belichten beim Digiscoping

Blende und Verschlusszeiten bzw. ihre Kombination sind zwei der wesentlichen Parameter beim Fotografieren. Nun ist die Blende beim Digiscoping in eine Richtung beschränkt. Die jeweils gewählte Vergrößerung gibt die größtmögliche Blende vor. Für Dr. Jörg Kretzschmar bleibt deshalb die Variation der Verschlusszeit als wesentlicher Faktor für perfekte Aufnahmen übrig.

© Tormod Amundsen

Dr. Jörg Kretzschmar ist Biologe und kam durch seine Arbeit mit Digiscoping in Berührung. Er gilt als einer der profiliertesten Digiscoper im deutschsprachigen Raum, dessen Aufnahmen immer wieder für Aufsehen sorgen. Für seine Aufnahmen verwendet er ein STX 25-60x85 Teleskop mit TLS APO von SWAROVSKI OPTIK.

Als Daumenregel für die Verschlusszeit gilt: Sie sollte mindestens dem inversen Wert der Brennweite entsprechen. Bei 2.000 mm Äquivalenzbrennweite ist eine 1/2000 Sek. aber eher die Ausnahme beim Digiscoping. Abhängig vom Kameratyp hat der Digiscoper allerdings einen entscheidenden Vorteil: Die Unschärfe des Spiegelaufschlages einer DSLR-Kamera haben wir bei der Kompakt- oder Systemkamera nicht. Die ISO-Zahl kann auch mal unbedenklich auf 800 oder gar höher als 1000 gesetzt werden – abhängig von der Sensordynamik erlauben aktuelle Modelle durchaus höhere ISO-Zahlen, die schnellere Verschlusszeiten ermöglichen. Mit Selbst- oder Fernauslöser ist auch bei Verschlusszeiten bis 1/400 Sek. mit ansehnlichen Resultaten zu rechnen.



Sonderfall Digiscoping

Ganz anders verhält es sich bei der Blende im Digiscoping. Das Teleskop ist unser Objektiv und dieses hat eine feste Blende meist jenseits der 16 (das SWAROVSKI OPTIK STX 85 beginnt im geringsten Zoom von 25x etwa bei Blende 8,8). Daran lässt sich nichts ändern. Nun fotografieren wir als Digiscoper die Austrittspupille des Spektives mit einer Kamera, die ebenfalls ein Objektiv und somit eine Blende hat. Hier hat unsere Blendenwahl keine Auswirkung auf die Schärfentiefe, diese bewirkt das Spektiv und sein Okular. Ein Abblenden um 1-2 Werte ist jedoch seitens der Kompaktkamera sinnvoll, da die Linsen der meisten Kameratypen weniger gut bei offener Blende zeichnen als bei einer leichten bis mittleren Abblendung.



Abblenden erhöht die Schärfe

Ein Abblenden an der Kompaktkamera erhöht somit nicht die Schärfentiefe, aber dafür (leicht) die Schärfenleistung. Im Ergebnis braucht beim Digiscoping selten eine Blende über 2,8 oder 3,5 an der Kompaktkamera eingestellt zu werden. Es sei denn, eine höhere Blende dient nicht der Abbildungsleistung selbst, sondern der Verlängerung der Verschlusszeiten, um bewusst Unschärfeeffekte, zum Beispiel durch
Bewegung, zu erzielen.

© Tormod Amundsen

Belichtungskorrektur ist für Birder wichtig

Der dritte Weg, neben den Verschlusszeiten und/oder der Blendenvorwahl ist bekanntlich die Belichtungskorrektur. Als Daumenregel für das Digiscoping von Vögeln gilt: beherzt unterbelichten. Die Gründe dafür liegen (a) im Umstand rein weißer Gefiederanteile, die sonst überbelichtet „ausfressen“, und (b) darin, dass bei einer leichten Unterbelichtung das Motiv etwas mehr Lebendigkeit erhält.

Wir können diesen Trick anwenden, weil das menschliche Gehirn wenig durchgezeichnete Schatten als wesentlich unproblematischer ansieht als nicht durchgezeichnete Lichter, die uns sehr stören. Hinzu kommt, dass sich in der Regel mit den einfacheren Bildbearbeitungsprogrammen die Schatten besser aufhellen bzw. durchzeichnen lassen.



Durch Probieren Erfahrungswerte sammeln

Bei den modernen Weitwinkel-Zoom-Okularen wird im unteren Vergrößerungsbereich von 20- bis ca. 35fach zwischen 2/3 bis 11/3 Blende unterbelichtet. Wer jedoch sein Zoom-Okular auch beim Digiscoping ausreizen möchte, um mit 40facher oder gar 50facher Vergrößerung zu arbeiten, der hat leicht überzubelichten. Die Digiscoping-Aufnahmen würden sonst schlicht zu dunkel und leblos werden, weil es ihnen an Lichtern fehlt.

Die hier angegebenen Werte sind natürlich individuell je nach Spektiv (Objektivdurchmesser!), Okular und Kamerazusammenstellung auszuprobieren. So tendiere ich bei der von mir gerne verwendeten Leica D-Lux 4 am STX 25-60x65 Teleskop von SWAROVSKI OPTIK plus Weitwinkelzoom stets zu einer leichten Anhebung um 1/3 Blendenstufe, unabhängig von der Vergrößerung, während ich dieselbe Einstellung am STX 25-60x85 erst ab einer Zoom-Vergrößerung von ca. 40fach vornehme.



Kleine Einstellung mit großer Wirkung

Wer sich bisher noch nicht mit der Belichtungskorrektur beim Digiscoping beschäftigt hat, der sollte dies tun. Entweder indem er selbst in den unterschiedlichen Beobachtungsbedingungen und je nach Motiven (Kontrastumfänge sind hier entscheidend) die Korrekturwerte ausprobiert oder dies der Bracketingfunktion der meisten Kompaktkameras überlässt. Denn ähnlich wie bei der Schärfe machen auch bei der Belichtungskorrektur kleine Unterschiede in der Einstellung große Unterschiede in der Wirkung.
Wer sich etwas mit Fotografie beschäftigt hat, der weiß um die Bedeutung der Zeit-Blende-Kombination auf die Bildwirkung. Beim Digiscoping gelten natürlich die fotografischen Grundregeln, aber eben auch die erwähnten Besonderheiten.